Stiller Trost

 

Ein kühler Wind zupft am Holunderstrauch,

er trägt Erinnerungen vor sich her,

hat sie im alten Fliederbusch gefunden

und eingehüllt in einen welken Hauch

von Duft aus dem verblassten Blütenmeer.

Und wieder öffnen sich die alten Wunden.

 

Aus ihnen quillt ein wallend dumpfer Schmerz,

vermengt mit Bildern jener jungen  Zeit,

als ich ein Stück verlor von meiner Seele.

Wie ein Verlangen, brennend, himmelwärts,

gehn die Gedanken in die Ewigkeit,

der ich die wehen Wünsche anbefehle.

 

So finstertief sind Himmel in der Nacht,

wenn die Gewissheit mich im Innern quält,

denn ein Zurück, das wird es niemals geben.

Doch eines hat der Fliederhauch gebracht:

Erinnern, das sich aus der Sehnsucht schält,

kann Traurigkeit mit stillem Trost verweben.

 

Stammheim, 23. Mai 2015

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