An der Grenze

Ein Tag, der doch so vielen andern gleicht,

und trotzdem ist da wieder dieser Schatten

aus einer ungeliebten, fremden Welt.

Verlorenheit, die einen stumm beschleicht,

in der die Ängste jeden Mut bestatten,

wenn das Vertraute ins Vergessen fällt.

 

Ein Tag, der offensichtlich nie begann

und auch sein vages Ende ist verhangen

von Leere und Bedeutungslosigkeit,

seit ihr Vertrautes immer mehr entrann.

Sie war für einen Augenblick gefangen

im Leben einer namenlosen Zeit.

 

Ein Tag, an dem sie eigentlich verstand,

sie wird, was ihr geschieht, doch nie begreifen

und hilflos in dem Wissen weitergehen,

bis hin zu jenem gnadenlosen Rand,

dort Zweifel und die Fragen von sich streifen,

und in ein Dasein ohne Zeit verwehen.

  2 comments for “An der Grenze

  1. Brigitte Stolz
    20. Dezember 2016 at 20:32

    Hallo Karl-Heinz, ich finde Dein Gedicht so schön, dass ich es für mich aus der Düsterheit genommen habe:

    An der Grenze
    Ein Tag, der doch so vielen andern gleicht,
    und trotzdem ist da wieder dieser Schatten
    aus einer unbekannten, fernen Welt.
    Sehnsucht. Freude, die einen stumm beschleicht,
    in der die Mutigen die Angst bestatten,
    wenn das Vertraute ins Vergessen fällt.

    Ein Tag, der offensichtlich froh begann
    und auch sein gutes Ende ist behangen
    mit Lebensfülle und Gewichtigkeit,
    seit ihr Vertrautes immer mehr entrann.
    Sie war für einen Augenblick gefangen
    im Leben einer namenlosen Zeit.

    Ein Tag, an dem sie tief in sich verstand,
    sie wird, was ihr geschieht, doch nie begreifen
    und mutig in dem Wissen weitergehen,
    bis hin zu jenem staunenswerten Rand,
    dort Zweifel und die Fragen von sich streifen,
    und in neuem Dasein fortbestehen.

    • Galapapa
      21. Januar 2017 at 9:26

      Hallo Brigitte,
      bitte entschuldige, dass ich erst jetzt antworte!
      Danke für Dein Lob! Deine Version gefällt mir auch, wenngleich sie den Inhalt verändert und zu einer anderen Aussage kommt.
      Dadurch öffnen sich natürlich auch andere Interpretationsmöglichkeiten.
      Bei meiner Version ging es mir darum, das Erleben eines Menschen an der Grenze zur Demenz zu erahnen.
      Danke für Deinen Beitrag!
      Liebe Grüße!
      Galapapa

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