Kategorie: Sozialkritisches & Gesellschaftliches

Barrieren

  Wo Mauern oder Zäune Völker trennen,  hat Menschlichkeit nur selten Halt gemacht –  sei auch der Schlagbaum noch so gut bewacht –  weil die Gefühle keine Grenzen kennen.    Verlangen kann Barrieren überrennen,  es widersetzt sich Willkür und der Macht.  Die Eintracht bringt ein Licht in kalte Nacht,  wenn Menschenherzen füreinander brennen.    Der Frieden ist die stille Glücksvision, …

Irgendwie verloren

In Verzagtheit nahezu verloren geh ich durch die Straßen dieser Stadt, die mir ein Verweil gegeben hat. Ungewissheit schwitzt aus allen Poren.   Hinter mir der Krieg, die Diktatoren, eine Flucht aus Elend und Verrat und die Scham, als ich um Hilfe bat. Stolz und Großmut sind darin erfroren.   Was macht manche Menschen so verschlossen? Alles ist so unvertraut…

Gefangen

Am Abend ist sie oft hinausgegangen, um sich vom Tag im Stillen zu befreien, ihm diese Qual der Öde zu verzeihen. Doch war sie seltsam in sich selbst gefangen   und konnte so zur Ruhe nie gelangen. Sie musste sich den Frieden mühsam leihen und war es leid, sich stetig zu kasteien, mit Fesselketten ihres Ichs behangen.   Denn selbst…

Fortschreckspiration

  Schadstoffschwanger schleichen Giftgaszungen, unsichtbar im feingestaubten Flug, lecken, gasgetarnt als Atemzug, Kohlenstoffgebinde in die Lungen.   Unheilvoll scheint grauer Dunst zu herrschen in der rußgeschmückten Häuserschlucht, wo er sich den Weg ins Wohlsein sucht, trübe ausgepufft aus Fahrzeugärschen.   Freiheit ist mobilgelebtes Hetzen und in trüber Wirtschaftswachstumsluft wabert köstlich-süßer Meuchelduft, um sich im Befinden abzusetzen.   Dieser Fortschritt lebe…

Tarngefleckter Wahnsinn

Wahnsinn, tarngefleckt, gräbt die Trauerlöcher unfassbaren Sinns mit den Marterschaufeln grenzenloser Schmerzen in die Seelen. Lach nur, Sensenman und grins jenen ins Gesicht und in die kalten Herzen, deren Tun die Meschlichkeit darniederstreckt.   Leiden, grenzenlos, ist die Heuer des Soldaten allezeit auf Galeeren seines Schicksal angekettet, nur vom Irrsinn oder schlicht vom Tod befreit. In des Lebens Sonne nie…

Wo sind sie hin?

  Wo sind sie hin, die ungezählten Toten, von Krankheit, Krieg und Unglück hingerafft, durch Folterqualen in Gefangenschaft? Man hat mir manche Antwort angeboten.   Ich blickte auf des nachts zu meinen Sternen, sah keinen Glanz und auch kein Paradies, sah nichts, was mir als Antwort sich erwies, die Lösung schien sich endlos zu entfernen.   So  ganz weit weg…

Gerlinde

  Gerlinde lebte nur in einem Traum, ihr Dasein schwebte still im leeren Raum. Die bösen Stunden hatten sie herausgelöst aus ihrem Kindsein und aus ihrem frohen Lachen. Seitdem hat sie in ihrer Phantasie gedöst und hat so oft versucht, ein Leben draus zu machen.   Am Tag, als sie den eignen Brautstrauß fing, auf ihre ungewollte Reise ging, war…

Ruhestand

Wem soll ich danken für das späte Glück auf meinem letzten Teil des langen Weges? Ich blicke hinter mich und auf ein reges, ein grambeladen schweres Sein zurück.   Sind es die Früchte, die ich heute pflück? Ist es der Lorbeer eines Privileges, verdient auf morschen Planken jenes Steges, den ich zu gehen wagte, Stück um Stück?   Die Peitsche…

Die anders sind

  Bleiern zieht ein Albdruck durch die Nacht, ohne Laut entstiegen aus den Schatten, die den trüben Tag verschlungen hatten. In des Sensenmannes schwarzer Tracht schwebt er drohend über den Ruinen, um mit Arglist Trümmer zu verminen. Schwelbrand Hass hat diesen Krieg entfacht.   Schrecken, Angst und grenzenlose Not sind des Kreuzzugs hässliche Gefährten. Wenn sie je Barmherzigkeit gewährten, war…

Fesseln der Pflicht

Den Lebensweg, er ist ihn all die Zeit bis an sein Heute fügsam hingegangen, gewissenhaft und scheinbar unbefangen, zu allem, was die Pflicht verlangt, bereit.   Von jener Knechtschaft hat er sich befreit, von Fesseln, die ihn in die Richtung zwangen, mit einem fremden Müssen ihn durchdrangen und endlich auch von der Verlogenheit.   Wie hätt er zu sich selber…

Die Lüge

Müde, an der Ozeane Rand, wo ich glaubte, dass ich Frieden fände, saß ich und der allerfeinste Sand rann mir durch die Finger meiner Hände. Bis mit einem Male ich empfand, so, als ob ich nah am Abgrund stände.   Und ich sah, wie meine rare Zeit mir entglitt, als würde ich gezogen mit den Strömen der Gezeiten weit auf…

Wann wird man je verstehn

Als sacht die ersten Regentropfen fielen, da wuschen sie ein Warten aus der Zeit. Die Stunden schienen mit dem Sein zu spielen, als seien sie vom Lauf der Welt befreit.   Ein wilder Wind verwirbelte das Schweigen am Wegesrand mit trocknem Straßenstaub, verfing sich müde in den stummen Zweigen, starb flüsternd im erregten Eschenlaub.   Der Himmel hatte längst sein…

Zu spät?

Ein müder Abend, voll von toten Stimmen, sie sagen nichts und tun dies unentwegt. Gesichter ohne Züge scheinen zu verschwimmen, sind bald ins Nirgendwo hinweggefegt.   Ich sitze, lausche ängstlich in die Stille, fühl mich bedeutungslos und winzig klein; dem Gaffer an der Tür beschlägt die Brille, er sieht mich nicht, es scheint, ich bin allein.   Die Ascheschuppen in…