Kategorie: Gereimte Gedichte

Unvergänglich

Wie viele Leben sind im Tod vergangen, auch aus Erinnerung dahingerafft? Dort wo die Ewigkeit am Himmel klafft sind sie in der Vergessenheit gefangen.   Auch der, den Einstige als Held besangen, verlor im Angedenken seine Kraft und er verblasste mählich schemenhaft, als seine Hymnen irgendwann verklangen.   Doch wird sich alles ewig wiederfinden, vergänglich sind nur Formen und Gestalten,…

Seelenheimat

So ängstlich bewahrst Du die Tage in zitternden Händen und kannst nicht verhindern, dass schon wieder einer vergeht. Gerade noch Tulpen, nun farbloser Schnee auf dem Beet. Wie trostreicher wäre es, wenn wir dies alles verständen.   Ist Abendrot ärmer als morgens das hellblaue Grauen und folgt denn nicht immer dem Dunkel ein blühendes Hell? Gedanken zum eigenen Ich sind…

Im Zug der Zeit

Es sind der Zukunft schattig dunkle Röhren, in die das Leben ohne Zögern taucht, um gierig nur ein Echo noch zu hören, bevor das Ist im Zug der Zeit verraucht.   Als wär nur schwarzes Nichts in diesem Stollen, das Leuchten in der Ferne öder Trug, Schimäre, Ausgeburt aus zähem Wollen und für den Seelenfrieden nicht genug.   So soll…

Januarmorgen

Ein gläsernes, beinahe schrilles Klirren liegt scharf und kaum vernehmbar im Geäst. Ein Eishauch, der zur Agonie erpresst, durchdringt die Luft mit seinem Kälteflirren.   Am frühen, rosaroten Himmel irren zwei Glitzerflocken aus dem Wolkenrest, bis sie die starre Luft zu Boden lässt. Es ist als hörte man ihr zartes Schwirren.   Wie gnadenlos und unerbittlich kalt in Diamentenschweigen eingefroren…

Wenn das Leben brach liegt

Es sind diese öden Gedanken, die bleiben, wenn einen das Leben so kalt überrollt, als hätte es nie etwas Gutes gewollt, und die Jahre danach ins Verloren-sein treiben.   Es wächst eine einsame, steinige Wüste, schier grenzenlos viel an Gefühlen liegt brach. Ersonnene Schuld wird zur bitteren Schmach, zum Grab für die Hoffnung und Labsal der Lüste.   Es bleiben…

Januarregen

Blattlos reckt der Fliederbusch die Zweige in den regengrauen Wintertag, der sich augenscheinlich selbst nicht mag; und ich schaue teilnahmslos hinaus und schweige.   Freudlos sucht mein Auge junges Leben, das an jedem Ast noch einst gedieh. Nun tropft aus dem Holz Melancholie. An den Hängen seh ich Schwermut schweben,   klamm in Nebelschwaden auf den Bäumen. Dieses Schweigen wie…

Alles wird gut

Ein Wintertag mit seinem Dämmerlicht, er spiegelt sich auf regennassen Straßen. Der Wald an meinem Berg, man sieht ihn nicht. Die Wolken, die ihn schon am Morgen fraßen, sie stahlen mir die altvertraute Sicht.   Wenn nun die Stunden nur Sekunden wären, ich könnte ihnen dann sogar verzeihen, dass sie nicht Schnee, noch Frost und Eis gebären und ihre Kälte…

Ein Schrei im Nebel

  Drei Frauen, sie standen im Nebel am See. Die Blicke im graufeuchten Schleier verloren, die Stimmen in nächtlicher Stille erfroren, so harrten sie barfuß im eisigen Schnee.   Vom Wasser her gellte ganz jählings ein Schrei, aus einer verzweifelten Kehle befreit, zerfetzte die düstere Lautlosigkeit. Gebannt im Entsetzen erstarrten die Drei.   Ihr langes und wallend fahlweißes Gewand verschwamm…

Stille, heilige Nacht

So seltsam still umfängt mich diese Zeit, scheint Einklang aus dem Seelengrund zu heben. Ein Frieden vollen Trost durchdringt das Leben, von nah bis in die Ferne, endlos weit.   Es sind das Glück, die Sorgenlosigkeit, die mich in diesen Stunden sacht umgeben und aus der Unschuld meiner Kindheit schweben. Ich bin mich hinzugeben neu bereit.   In dieser Nacht,…

Weihnachtsmysterium

Weihnachtsmysterium   Als ob aus nebeltrüben Kältetagen ein Zauber fallen würde auf die Welt, damit wir nicht im Finsteren verzagen, weil er die bangen Seelen uns erhellt.   Aus mildem Flackerschein der Kerzenflammen steigt mit der Wärme die Erinnerung. Wie waren wir so feierlich beisammen, wie war ich selbst so unbeschwert und jung.   Der Tannenbaum im Schmuck, ich seh…

Herbstmorgen

Der Mehltau Zeit liegt auf dem Laub, ein Glitzerreif auf Gräsern. Der Morgen dämmert kältetaub, doch klar und beinah gläsern.   Im Wald schwebt klamm ein Moderduft am Grund in morschen Zweigen. Wie pilzdurchwoben ruht die Luft in einem tiefen Schweigen.   Die Eicheln hängen reifeschwer in sommermüden Blättern. Ein Nebel müht sich, bleich und leer, vom Tal herauf zu…

Bereit

Ein Hauch von Abschied fliegt im Wind, ein wenig Sterben schon, und schwebt ganz seltsam seelenblind, wie Trauerorgelton im Strauch, wo schon die Beeren sind.   Er zupft und rüttelt sacht am Blatt und dieses zieht sodann, vom Sommer dunkelgrün und matt, die bunten Sachen an, des abgelebten Kleides satt.   Bald kommt der Tag und seine Zeit, das Lebewohl…

Sommernacht

Das Licht ist farbig hinterm Wald verschwunden, der warme Sommerwind hat sich gelegt und alles scheint so leblos unbewegt. Der Tag liegt müde in den späten Stunden.   Beklemmend stiehlt sich stumpf ein Dämmerschweigen den Hang hinab und in das Schattental, wie eine Müdigkeit, fast unreal. Es scheint der Finsternis den Weg zu zeigen.   Die Zeit läuft wie im…

Spätsommermorgen

Wo Tannen und der Himmel sich berühren keimt hell in kaltem Blau ein neuer Tag. Noch ist Beklommenheit der Nacht zu spüren und Schweigen, das im vagen Dunkel lag.   Wie klammer Fluch liegt Dunst im Dämmergrauen, und schwebt erbarmungslos am Wald entlang, als wollte Unheil sich zusammenbrauen aus Düsternis und deren Abgesang.   Was liegt in diesen Stunden stumm…

Der Sommer geht

Der Sommer geht mit sonnenlosen Winden, auf Eis und kaltem Ozean geboren; die ersten Blätter ziehen wie verloren ihm hinterher, ein Modergrab zu finden.   Mit langen Schattenschleppen stehen Linden am Bach beisammen, wirken wie verschworen. Das müde Jahr, es duftet angegoren, und immer früher will der Tag erblinden.   Die Nächte klamm und erste Nebel schwelen vom Weiherspiegel durch…

Das tanzende Mädchen

In Dankbarkeit gewidmet meiner Freundin Heidi   An einem flimmerheißen Sommertag, als gleißend hell die Mittagssonne sengte, Getreideduft sich mit der Glut vermengte, geschah, dass in der Luft ein Zauber lag.   Am Wiesensaum, ganz nah beim Waldesrand, wo rätselhaft und wundersam verschworen sich die Konturen nebulös verloren, bewegte sich im bunten Festgewand   ein Mädchen, graziös und wie im…

Spätsommerabend

Der kühle Atem eines Regentages streicht lustlos durch das dunkle Sommerlaub, verwischt vergangner Hitze Erntestaub. Für den Moment nur eines Augenschlages   schwebt unsichtbar in diesen Abenddüften ein stilles Streben nach Vollkommenheit. Das Ende warmer Obhut ist noch weit und doch liegt Reife in den klammen Lüften.   Schon will die Nacht die Szenerie verschlingen. Konturen werden langsam ungenau und…

Die Nebel der Zukunft

Wie schwüle Luft an manchen Julitagen, so zäh und scheinbar wie zum Greifen schwer, zieht bleich ein Nebel von der Zukunft her, als schwebe aus dem Morgen ein Verzagen.   Wie Wolken, die ins Licht den Schatten tragen, so steigt ein Dunkeln ohne Gegenwehr, wie aus dem Nichts, beängstigend und leer, mit all dem Kleinmut in den bangen Fragen.  …

Der dunkle Begleiter

Verzerrt und ohne Farbe, grau in grau, verfolgt mein Schatten mich durch alle Tage und ohne Unterlass in jeder Lage, mal scharf umrissen, manchmal ungenau.   Er äfft mich nach, in allem was ich tu, mal vor, mal hinter mir, auch mal daneben, scheint er geradezu an mir zu kleben. Im Dunkeln, da verschwindet er im Nu.   Zu gerne…

Fortschreckspiration

  Schadstoffschwanger schleichen Giftgaszungen, unsichtbar im feingestaubten Flug, lecken, gasgetarnt als Atemzug, Kohlenstoffgebinde in die Lungen.   Unheilvoll scheint grauer Dunst zu herrschen in der rußgeschmückten Häuserschlucht, wo er sich den Weg ins Wohlsein sucht, trübe ausgepufft aus Fahrzeugärschen.   Freiheit ist mobilgelebtes Hetzen und in trüber Wirtschaftswachstumsluft wabert köstlich-süßer Meuchelduft, um sich im Befinden abzusetzen.   Dieser Fortschritt lebe…

Gläserne Tränen

  Wie gern hätt ich liebliche Düfte und Farben in inniger Zweisamkeit zärtlich geteilt! Als Feuer der Lebenslust qualvoll erstarben, hat einsames Warten mein Dasein ereilt.   Ich liege in leeren Gedanken gefangen, die Einsamkeit nächtens im Mondlicht ersann. Warum ist das heiße Entzücken vergangen noch ehe es tief in der Seele begann?   Im Sommerwind zieht das versteinerte Weinen…

Mondgöttin

Stammheim, 27. September 2010   Geheimnisvolle Stille lag im Weiher, ich saß in kaltes Mondlicht eingehüllt. Der Nebel schwebte wie ein Seidenschleier und hat die Nacht mit Schweigen angefüllt.   Da hörte ich ein Lied aus großer Ferne, mit einer Melodie, so traurig schwer, als tönte durch die Nacht das Licht der Sterne wie leises Weinen mir vom Himmel her.…

Spuren im Sand

Stammheim, 3. November 2010   Wir gingen still im nassen Sand, verliebt umschlungen in Gedanken und eng verbunden, Hand in Hand, bis wir verträumt in uns versanken.   Ein salzig frischer Wellenschaum, den ich am nackten Fuß verspürte, umspülte jenen zarten Traum, der meine Seele tief berührte.   Wir gingen weiter, Stück um Stück, da waren vor uns nur noch…

Wassergespenster

Stammheim, 20. Juli 2012   Am Weiher draußen, unter alten Linden, ging sie durch morgenfeuchtes Blumengras, den frühen Seelenfrieden dort zu finden. Der Wasserspiegel lag wie blankes Glas und schien im Grau der Wolken zu erblinden.   Der Wiesentau benetzte ihre Beine mit Einsamkeit am frühen Sommertag. Als Schleier schimmerte im Dämmerscheine der Nebelflor, der auf dem Wasser lag; Beklemmung…

Der Kindertraum

Stammheim, 31. Mai 2011 Es ist so lange her, in fernen Zeiten, ich war ein Knabe noch, naiv und lebensfroh, da fing ein Traum mich ein, beim Spielen irgendwo, er sollte durch die Kindheit mich begleiten.   Es war ein neues, schwebendes Zuhause, hoch droben, wo die Schwalben fliegen und die Krähn, ein großes Luftschiff und ich war der Kapitän,…

Begegnung

  November 2010 Allein bin ich im Wald gegangen, gedankentief in Einsamkeit von Zwang so wunderbar befreit, vom stillen Frieden eingefangen.   Ganz plötzlich konnte ich sie sehen, wie tanzend kam sie auf mich zu, im langen Kleid, ganz ohne Schuh. Ich blieb wie angewachsen stehen.   Ein Schmerz erdolchte meine Seele, es war die Liebste aus der Zeit der…

Sandwüste

In Verlorenheit getaucht, Düne unter Flimmerlüften, Wildnis, still und unverbraucht, frei von Tönen und von Düften.   Trockenheißer Mittag brennt, Himmelgleißen ohne Gnade und die öde Weite kennt keine Wege, keine Pfade.   Doch auf dürrer Einsamkeit liegt ein Frieden ohnegleichen. Dasein, frei von Last und Zeit, wo dir Angst und Drangsal weichen.   Stammheim, 9. Januar 2015

Schritte in der Nacht

  Bleiern liegt die Stille in den Gassen – späte Stadt trägt sternenlose Nacht. Finsternis ist mit der Hand zu fassen und die Zeit hat scheinbar Halt gemacht.   Dann ein Knirschen auf den Pflastersteinen, Kummerschritte, melancholisch schwer, hingeschlurft von lebensmüden Beinen – Einsamkeit schleicht hinter ihnen her.   Nichts ist in der Schwärze zu erkennen, das Geräusch entfernt sich…

Abgelebtes Wollen

Im Moderfeld verblichener Verlangen verliert sich stumm ein wundgelebtes Streben. Die unerfüllten Träume, sie entschweben, mit Nebeln des Vergessenseins verhangen.   Das Dasein ist in Zuversicht gefangen, will unverbraucht im Nachher weiterleben; wie lange noch wird es ein Morgen geben, nach all den Jahren, die so rasch verklangen?   Die Zukunft bleibt zuletzt im Ungewissen, verborgen in des Himmels Ewigkeit,…

Weitsamkeit

Ich hatte einen wundersamen Traum. Wir trieben in des Ozeanes Weiten und nichts als blaues Meer zu allen Seiten, in Zweisamkeit verblassten Zeit und Raum.   Ein Wunsch zog uns hinaus zum Weltensaum, wir fuhren mit den Strömen der Gezeiten. Das Sehnen war an Bord, uns zu begleiten, durch Wogen und durch wilden Wellenschaum.   Wir konnten unser Ziel doch…

Im Wald

Ein wohliges Versinken nimmt mich in seinen Schoß, als könnt ich Ruhe trinken mich weiten, uferlos.   Ein tiefes Schweigen zwischen Bäumen, in kühlen Tüchern balsamiert, das nur die blauen Himmel säumen und leis das Vogellied verziert.   Der Stille Nymphen, sie begleiten die Reise durch den Seelengrund, das wonnig durch Erlösung Schreiten, den Glanz im feuchten Augenrund.   Beinahe…

Tarngefleckter Wahnsinn

Wahnsinn, tarngefleckt, gräbt die Trauerlöcher unfassbaren Sinns mit den Marterschaufeln grenzenloser Schmerzen in die Seelen. Lach nur, Sensenman und grins jenen ins Gesicht und in die kalten Herzen, deren Tun die Meschlichkeit darniederstreckt.   Leiden, grenzenlos, ist die Heuer des Soldaten allezeit auf Galeeren seines Schicksal angekettet, nur vom Irrsinn oder schlicht vom Tod befreit. In des Lebens Sonne nie…

Lichthauch

Die Nacht trägt im Tal einen Elfenkleidschleier, mit Tauperlenband ist die Wiese geschmückt der Wald scheint im Dunkeln zusammengerückt, als lauschte er still einer sphärischen Leier.   Der Mond gießt sein Silberlicht über die Welten, umgeben von hauchdünnem Eiswolkenkranz erleuchtet er sacht der Naturwesen Tanz, zu dem sich die funkelnden Sterne gesellten.   Als spürte man Stille, als hörte man…

Sackgasse des Seins

Bleiern klebt die Leere an den müden Gliedern, jeder Wille fließt mir aus der hohlen Hand. Was soll ich dem fremden Leben heut erwidern, wo ich weder Schlaf noch etwas Hoffnung fand?   Festgekettet bleibt mein Dasein schweigend liegen mit der Zeit vergeht auch meine Existenz, von der eigenen Verachtung totgeschwiegen, tief verloren in der Seelendekadenz.   Geh nur, lass…

Mai

Ein warmer Windhauch spielt verträumt mit jungem Laub, treibt erste Schirmchen aus dem Gelb der Wiesen, die ihre Wiege auf dem Löwenzahn verließen. Die Luft trägt schwer am herben Duft nach Blütenstaub.   Den Mischwald krönt ein Siegerkranz aus zartem Grün, der Apfelbaum erstrahlt im Hochzeitskleide gewebt aus blütenweißer Unschuldsseide, auf der die heißen Maiensonnenstrahlen glühn.   Mit Blättertuch verhüllt…

Resignation

Wie so oft beim wieder-mal-Versuchen, mit Gedanken diese Welt nun endlich zu durchdringen, will es mir nicht einmal bis zum Fenster hin gelingen, und mir bleibt nur klaustrophobes Fluchen.   Eingesperrt in eigenes Versagen ringe ich verzweifelt nach Verständnis für das Leben. Will mir dann kein Ratschlag, keine Droge Hoffnung geben, hospitalisiere ich mein Klagen.   Sacht, als wollt ich…

Das Warnlicht

Dort oben stehst du auf dem Felsenthron, aus Glas, die Sonne spiegelnd, deine Spitze, ragst gleißend schneeweiß aus der Mittagshitze; die blaue Weite ist dein Wächterlohn.   In lauen Sommernächten streichelst du mit deinem Lichtstrahl dunkle Meeresflächen, du kannst im Leuchten mit der Ferne sprechen; der Mond schaut silbern deiner Arbeit zu.   Im Sturm stehst du mit Heldenmut allein,…

Das Ende

Ich hatte meinen kleinen Frühling ausgemacht, wie zartes Grün erwuchs ganz langsam das Begehren. „Du kennst Dich“, sagte ich und hab mich ausgelacht, doch fing ich an, mich nach dem Ahnen zu verzehren.   Das Ahnen, das zum Hoffen bald gewachsen war, begann, mir meine Seele zärtlich zu umspinnen, bis jene Zuversicht Vertrauen mir gebar, gleich einer Burg mit unbezwingbar…

Dort oben

Aus strahlend hellem Sonnenlicht gegossen, gequollenes, wattiertes Unschuldsweiß, von deiner Nahrung Himmelsblau umschlossen, aus Wasser und Halonennebeleis,   so zieht dein kühler Schatten durch die Lüfte, im Schweben über allem, schwerelos durch Winters Frost und durch des Sommers Düfte mal Flöckchen, mal Gebirge riesengroß.   Erzähl im Gleiten vom Vergehn und Werden, von meiner Ahnungslosigkeit so tief; im Wandel deiner…

Wo sind sie hin?

  Wo sind sie hin, die ungezählten Toten, von Krankheit, Krieg und Unglück hingerafft, durch Folterqualen in Gefangenschaft? Man hat mir manche Antwort angeboten.   Ich blickte auf des nachts zu meinen Sternen, sah keinen Glanz und auch kein Paradies, sah nichts, was mir als Antwort sich erwies, die Lösung schien sich endlos zu entfernen.   So  ganz weit weg…

Stiller Trost

  Ein kühler Wind zupft am Holunderstrauch, er trägt Erinnerungen vor sich her, hat sie im alten Fliederbusch gefunden und eingehüllt in einen welken Hauch von Duft aus dem verblassten Blütenmeer. Und wieder öffnen sich die alten Wunden.   Aus ihnen quillt ein wallend dumpfer Schmerz, vermengt mit Bildern jener jungen  Zeit, als ich ein Stück verlor von meiner Seele.…

Gerlinde

  Gerlinde lebte nur in einem Traum, ihr Dasein schwebte still im leeren Raum. Die bösen Stunden hatten sie herausgelöst aus ihrem Kindsein und aus ihrem frohen Lachen. Seitdem hat sie in ihrer Phantasie gedöst und hat so oft versucht, ein Leben draus zu machen.   Am Tag, als sie den eignen Brautstrauß fing, auf ihre ungewollte Reise ging, war…

Ruhestand

Wem soll ich danken für das späte Glück auf meinem letzten Teil des langen Weges? Ich blicke hinter mich und auf ein reges, ein grambeladen schweres Sein zurück.   Sind es die Früchte, die ich heute pflück? Ist es der Lorbeer eines Privileges, verdient auf morschen Planken jenes Steges, den ich zu gehen wagte, Stück um Stück?   Die Peitsche…

Grenzen

Die Spinne Ungewissheit hat ein Netz aus ihrem feinsten Klebegarn gewoben. So sehr ich mich auch diesem widersetz, ich bleib Gefangener, da hilft kein Toben.   Ich renne gegen Unlösbares an dreh mich im Kreis und werd kein Ende finden. Verborgen bleibt, was der Verstand nicht kann, selbst wenn Gedanken sich in Mühsal winden.   Vielleicht wird frei, wer sich…

Die anders sind

  Bleiern zieht ein Albdruck durch die Nacht, ohne Laut entstiegen aus den Schatten, die den trüben Tag verschlungen hatten. In des Sensenmannes schwarzer Tracht schwebt er drohend über den Ruinen, um mit Arglist Trümmer zu verminen. Schwelbrand Hass hat diesen Krieg entfacht.   Schrecken, Angst und grenzenlose Not sind des Kreuzzugs hässliche Gefährten. Wenn sie je Barmherzigkeit gewährten, war…

Das Ziel

  Tage kommen, Tage gehen doch wir werden erst verstehen, wenn sie alle abgelaufen sind. Dann nützt bitten nicht und flehen, denn das Dasein wird verwehen, das Gedenken wird im Zeitlauf blind.   Als wir in den Jugendjahren reich mit Zeit gesegnet waren, haben wir sie viel zu oft vertan. Später und mit grauen Haaren, müssen wir mit Gram erfahren:…

Schlummerwarten

  Es liegt ein Flüstern über all dem Weiß, in starren Zweigen schweben frostverschworen die klammen Nebel, aus dem Tal geboren. Sie bergen ein Geheimnis, bleich und leis.   Der Weiher schlummert gläsern unterm Eis. Am Bach die Weiden stehen fast verloren, wie eisig in der Einsamkeit erfroren, doch lebt in ihren Ruten ein Geheiß.   Im rosaroten Dämmern sinkt…

Maiwiesen

  Mein liebster Weg, inmitten weiter Wiesen, gesäumt von einem schmückenden Erblühn, scheint in den Sommerfarben zu zerfließen, ertrinkt beinah im satten Gräsergrün.   Da ist um mich ein Summen und ein Treiben, als wär des Winters Kälte nie geschehn. Ach, könnte es nur alle Zeit so bleiben und möge dieser Mai niemals vergehn.   Ich spür Zufriedenheit mich still…

Erwachen

  Wie Glanz, so liegt ein Werden dort im Tal, ein rätselhaftes, unsichtbares Drängen, am Bach im Wiesengrund und an den Hängen, ein Wollen, das sich aus der Wärme stahl.   Es strömt mit einem Glitzersonnenstrahl, begleitet von den ersten Amselklängen der Tag herein, befreit von kalten Zwängen, benetzt  von kühler Nacht und nebelfahl.   Und wie ein seufzend tiefer…

Nebel im Buchenhag

Vor meinem Fenster flimmerte der Tag in seinem grellen Sonnensternenleuchten. Es waren Stunden, so wie ich sie mag, bevor die Krähen laut den Herbst verscheuchten. Nun liegen Nebel auf dem Buchenhag.   Mein Sommerlachen im Gesicht erfror zu einer Totenmaske ohne Farben, als diese Welt ihr Lebensgrün verlor und meine Träume unterm Reif erstarben, als Zuversicht zu kalter Furcht vergor.…

Tiefe Momente

Da war nur ein Moment Besinnlichkeit in ihrem Hasten durch ein herbes Leben. Auch jeder Blick zurück auf das, was war, vermochte keine Sicherheit zu geben. In Nebeln wurde sie der Schuld gewahr, in deren Schatten der vertanen Zeit.   Da war nur ein Moment der Zuversicht in all den ungehörten Hilfeschreien, in jedem leidenschaftlichen Gebet. Doch konnte sie der…

Losgelassen

Ich mag, auf meine Welt hinauszuschauen, seh dort den gnadenlosen Gang der Zeit mit all den Atemlosen im Geleit und es ergreift mich dann ein leises Grauen.   War ich nicht eben selbst noch in den Klauen der unstillbaren Unzufriedenheit, mich selber aufzugeben schon bereit, den Weg zur Selbstbesinnung zu verbauen?!   Heut schau ich zu, nicht vor und nicht…

An der Grenze

Ein Tag, der doch so vielen andern gleicht, und trotzdem ist da wieder dieser Schatten aus einer ungeliebten, fremden Welt. Verlorenheit, die einen stumm beschleicht, in der die Ängste jeden Mut bestatten, wenn das Vertraute ins Vergessen fällt.   Ein Tag, der offensichtlich nie begann und auch sein vages Ende ist verhangen von Leere und Bedeutungslosigkeit, seit ihr Vertrautes immer…

Meine Perle

Verwittert sind die Schalen meines Ich, ich glaubte schon, das Leben sei vergangen, doch habe ich ein Sandkorn eingefangen, vom Schicksal aus dem Meer gespült für mich.   Es schmerzte, als es in der Seele rieb und doch hab ich es sorgsam aufgehoben, mit silbrig schimmerndem Perlmutt umwoben. so dass es wuchs und mir erhalten blieb.   Als hätte ich…

Vollmond

Vollmond legt sein silbrig blaues Licht ins Geäst der schütterkahlen Eichen, nicht ein Laut, der in die Stille bricht, kann die Einsamkeit der Nacht erreichen.   Wie ein Zauber liegt das blasse Hell in den Mulden dunstig grauer Auen und ergießt sich langsam wie ein Quell talwärts, wo sich Nacht und Schwärze stauen.   Wie ein Trost aus der Unendlichkeit…

Gedankenrichtung

Gedanken meiner Jugendzeit, sie gingen in den heißen Süden, nicht wie die alten nun, die müden, mit ihren Tränen im Geleit.   Heut schau ich öfter in den Norden, wo man gefühlsarm nüchtern denkt, Das Sinnen, das Erfahrung lenkt, ist mir zum Trampelpfad geworden.   Im Osten, da beginnt das Leben und endet westlich irgendwann. Da ich daran nichts ändern…

Irgendwo

Ungebunden schwebte ich im Traum, Nur mit meinem Dasein in den Händen, Eingetaucht ins Nichts im Weltenraum. Nacht, sie türmte sich in schwarzen Wänden. Doch sie fühlte sich so friedvoll an, Leicht und wie der Fliederwolkenschaum Ihrer Blindheit in entblößter Stille. Chaos der Gedanken, ich begann Hilflos einzutauchen in das schrille Klirren einer ungekannten Zeit. Eingehüllt in unsichtbare Lichter, Irgendwo…

Verloren

Und wieder geht ein Stück von meinem Ich mit dir in einem Traum verloren. Verbunden mit den Schmerzen löst es sich, hat meiner Seele abgeschworen. Wie soll ich jemals diese Wunde schließen, aus der wie Blut die guten Tage fließen?   Ich bin gelähmt, in Trauer eingehüllt und meine Zeit will stehenbleiben. Es ist, als ob ein Schicksal sich erfüllt,…

Trauerschmerzen

Da ist ein stummer Schmerz in mir verborgen, er zieht mein Dasein schweigend in ein Sinken, lässt mich in einem Meer des Nichts ertrinken, in einem Fühlen ohne Zeit und Morgen.   Da ist die Müdigkeit wie eine Schwere und sie erdrückt mein Denken ohne Gnade, erstickt die Seele kalt in einem Bade aus Hoffnungslosigkeit und öder Leere.   Da…

Nimm dir Zeit

Nimm dir ein wenig Zeit und lass dich treiben, komm mit hinaus, ich zeig Dir eine Welt, wie du sie so vielleicht noch gar nicht kanntest, ein kleines Paradies, das dir gefällt. Fühl mit mir Dinge, die du nie empfandest und die dir für dein ganzes Leben bleiben.   Lass uns doch einfach durch die Wiesen gehen. Spürst du den…

Ein neues Leben

Wie hast du mich gefiederzart umfangen, du Hoffnung auf ein neu erglühtes Leben, gelöst und frei von Zielen und vom Streben, befreit von der Begier und dem Verlangen.   Die Wünsche, welche stetig mich durchdrangen, sie wollten mir die Muße nicht vergeben, mein Sein mit Ruhelosigkeit verweben, aus der nicht Rast noch Frieden mir entsprangen.   Wie Sonnentage, wenn sie…

Die schottischen Highlands

Als läge ein Mysterium darinnen, erhebt sich Schottlands Hochland wild vermessen und in der Weite rätselhaft vergessen. Die Einsamkeit, sie scheint hier zu beginnen.   Aus seinen Hügeln seh ich sie zerinnen, die Wolken, wenn sie kahle Matten nässen und fließend Täler in die Berge fressen, dabei auf Heimkehr zum Atlantik sinnen.   In dunklen Seen bleibt ein Wunsch gefangen,…

An manchen Tagen

An manchen Tagen möcht ich gerne fliehen, wenn mir die Lethargie den Atem schnürt, die Seele nur Bedeutungsloses spürt und sich die Stunden in die Länge ziehen.   Dann wieder kommen diese hellen Stunden, an denen ich so gerne leben will, doch in mir bleibt es eigenartig still, als wär mein Herz an einen Fels gebunden.   Dann weiß ich…

Am Morgen

In dunstigen Schwaden, so atmen die Tannen die Kühle vergangener Nacht in den Tag. Die Umrisse, die schon der Schwärze entrannen, gebären, was grad noch im Finsteren lag.   Die Luft, sie steht über den taunassen Wiesen, sie ist wie verwunschen im Schlafe erstarrt. Die Stille scheint sacht aus den Schatten zu fließen, gemächlich, und bis sie im Dämmern verharrt.…

Bass Rock

Gewidmet dem Felsen der Basstölpel in Schottland   Gewaltig ragt der Fels aus grauen Fluten, umkränzt von seines Meeres Wellenschaum. Ich seh vom Strand am fernen Küstensaum an seinem Riff der Wogen Wut verbluten.   Der Stein, so fest, als wollt er nie vergehen, trotzt Brandung, wilden Stürmen und der Zeit, als wär er von der Wirklichkeit befreit, als würde…

Verlassen

Noch lebt dein Anblick hell in meinen Träumen, doch fehlt das Lächeln, das ihm Leben gab und  mir die Tage wolkenlos verschönte. Ein alter Wind in meinen Erlenbäumen, er haucht aus modrigem Gedankengrab die Melodie, die nie mein Wollen krönte.   Noch immer liegt dein Duft in meinen Räumen. Wie spröder Stuck, so rieselt sie herab, die heile Welt, die…

Im Wald

Ein Rascheln geht im mürben, alten Laub, im Takt der Schritte auf dem Schattenwege, gesäumt von Buchen, Eichen und den Tannen, zu deren Füßen ich mein Fühlen lege. Die Luft ist wie erfüllt vom Feenstaub aus Märchen, die an diesem Ort begannen.   In Strahlen dringt das Licht in dieses Reich, es sticht ins Dämmergrau mit Glitzernadeln. Wie stark die…

Wärme

Wie liebe ich die wohlig traute Wärme, des Schattens Labsal unter dichtem Laub, den Heuduft, den Getreideerntestaub, des lauen Abends Tanz der Mückenschwarme.   Kein Ofenplatz, kein Feuer hat die Tiefe, wie sie des Sommers Sonnenglut gebiert, die selbst in lauer Nacht sich nicht verliert, als ob darin die Kraft des Daseins schliefe.   Wie liebe ich Geborgenheit zu spüren…

Auf und Ab

An eines viel zu kühlen Sommers Rand, wenn Licht und Wärme schon die Kraft verlieren, dann rinnt das stille Hoffen aus der Hand. Und dennoch war das Warten nicht vergebens, weil auch die lauen Tage Früchte zieren. Ein Auf und Ab, das ist der Gang des Lebens.   Wenn manchmal Steine liegen auf dem Weg, wenn dunkle Wolken Trauerschatten legen…

Regen-Tief

Die Augen zu,  beginne ich bewegt zu lauschen. Ein leises Klopfen, das die Stille bricht, schwillt stetig an zu einem monotonen Rauschen, gezeugt von einer Regentropfenschar, von der ein jeder kleine Glitzerwicht gerade noch im Wolkenhimmel war.   Wie kleine Tränen fallen sie auf Blatt und Erde und ich empfinde still Melancholie. Ich spüre, dass ich ohne Kummer traurig werde…

Vierzig Tage

Es waren vierzig leere Tage. Ich stelle immer noch die Frage: Warum bist du gegangen? Und da ich keine Antwort wage, bin ich darin gefangen, in Schuld und einer stillen Scham, die mir mein Selbstverständnis nahm.   Es sind gefühlte tausend Worte, die ich seit jenen Stunden horte, sie irgendwann zu sprechen. Wie das Alleinsein in mir bohrte, als wollte…

Herbstzeitlose

Ich hatte späten Sommer im Gemüt und sah ein Violett in feuchten Gräsern, ein zartes Rosa, schimmernd, seltsam gläsern, am Waldrand, wo die Herbstzeitlose blüht.   Auf meinen Stunden lag ein weißer Hauch, der Mehltau jener ausgereiften Tage. Als kalter Nebel schwebte eine Klage im alten Leben wie geweihter Rauch.   Doch färbte eine warme Farbenpracht mir jenen  greisen Abend…

Vergänglichkeit

Wie Schwermut ruht der Sommer in den Auen im wolkengrauen, blassen Dämmerlicht. Fast schwarz erscheint das sonnenmüde Laub, auf alten Blättern liegt ein fahler Staub. Es ist die Zeit und sie bewegt sich nicht, als schlummre sie in göttlichem Vertrauen.   In diesen Tagen schwebt ein sanftes Schweigen, da ist ein feierabendlicher Duft, vermischt mit Stolz und mit Zufriedenheit, als…

Verloren

Noch verstecken sich die warmen Tage hinter einem Wind, der kalt erscheint. Viele Tränen bleiben ungeweint, weil ich nicht an dich zu denken wage.   Wieder schreibt die Zeit die gleiche Frage in ein Bild, das dich und mich vereint, und das Leben immer neu verneint, bis ich jeder Zuversicht entsage.   Lange haben wir uns schon verloren, hat der…

Die Stille der Nacht

So gerne lausch ich in die Nacht hinein, von friedenvoller Ruhe sanft umflossen. So heilsam in die Stille eingeschlossen, da fließen die Gedanken seltsam rein.   Wie Wohltat hab ich das Vergessensein im Schoße jener Dunkelheit genossen und trank vertrauensvoll und unverdrossen Besinnlichkeit wie süßen Seelenwein.   Erkenntnis fließt in endlos schwarzer Tiefe, mit Sternenfunkeln feierlich geschmückt. Mir ist, als…

Gedanken am Friedhof

Im Baldachin der Trauerweidenbäume verliert sich leis ein warmer Sommerwind, der durch die Gräber streicht, so seltsam lind, als wüsste er um lang vergessne Träume.   Es ist, als ob ein Weh die Stätten säume, in denen das Vergangene zerrinnt, und jenseits hell ein neues Sein beginnt, im Dunkel ungekannter Weltenräume.   Die Zeit, so ohne Ende und Beginn, hier…

Junger Sommer

Mit den ersten Sommerwinden kommt der Holderduft entlang, mischt sich sacht mit dem der Linden und dem Amselliederklang.   Espenblätter, die sich regen, zittern in den lauen Tag, neuer Sonnenglut entgegen, die der Mittag bringen mag.   In der Wärme sanft geborgen, ist ein Werden überall und der Glanz in diesem Morgen seines Friedens Widerhall.   Heute möcht ich einfach…

Urbaner Abend

Ein heißer Tag verliert sich an den Wänden der Häuserschluchten einer großen Stadt, verschenkt sein Glühen aus den feuchten Händen an die Fassaden, grau und seltsam matt.   Der Großstadtlärm hat fühlbar zugenommen, die Feierabendhektik macht sich breit und hat ein Tagesmaximum erklommen. Das Leben tobt, hat scheinbar keine Zeit.   Ein schlechter Atem zieht durch müde Straßen, die Parkplatane…

Abschied am Berg

Am Kiefernwäldchen auf der Ruhebank hat regungslos ein alter Mann gesessen. Er wirkte traurig, irgendwie vergessen, als er in den Gedanken still versank.   Der Greis, er liebte diesen stillen Ort, verbrachte dort die letzten Lebensstunden; mit all den Narben ungezählter Wunden, so saß er müde da und sprach kein Wort.   Vom langen Weg die Kräfte aufgezehrt, hielt die…

Fesseln der Pflicht

Den Lebensweg, er ist ihn all die Zeit bis an sein Heute fügsam hingegangen, gewissenhaft und scheinbar unbefangen, zu allem, was die Pflicht verlangt, bereit.   Von jener Knechtschaft hat er sich befreit, von Fesseln, die ihn in die Richtung zwangen, mit einem fremden Müssen ihn durchdrangen und endlich auch von der Verlogenheit.   Wie hätt er zu sich selber…

Meine Freundin, die Glocke

Mit einem Ostwind kam er hergezogen und einem letzten kühlen Junihauch, der Glockenklang, er ist vorbeigeflogen, berührte magisch jeden Baum und Strauch.   Drei Jahre war ich, habe zugesehen, als man die Glocke in den Kirchturm zog und konnte staunend damals nicht verstehen, wie viele Leben sie und Tode wog.   So oft rief sie an späten Nachmittagen mich heimzugehn…

Nur einen Augenblick

Sie hatte sich mit ihrem Seidenkleid im warmen Sand der Dünen fallen lassen und ihres Anblicks Liebreiz ließ vor Neid die grünen Gräser rings umher erblassen.   Des Meeres gurgelnd zarter Wogensaum verlief sich wie verspielt in flachen Sanden, als murmelten die Wellen einen Traum, den glitzernd sie im weiten Blau erfanden.   Es waren nur Momente, dann verschwand das…

Wundgefragt

Der Sommer steht mit seinem warmen Tag von einem kühlen Wind umweht im Garten. Ganz seltsam liegt auf allem Grün ein Warten, wo gestern noch ein reges Reifen lag.   Als ob die Zeit im Laufe innehält, des Universums Fundamente wanken, doch nein, es sind ja letztlich nur Gedanken, die still entführen aus dem Ist der Welt   in ein…

Trost

Wo sind sie, die glücklichen Tage? Die Strömung des Schicksals, sie zog sie dahin, riss mit sich das Lachen, die Lust und den Sinn und stellte das Leben in Frage.   Wie soll ich im Dunkel bestehen? Das Los nahm mir Zuversicht, Glauben und Ziel, die innere Kraft meines Wesens zerfiel, um trostlos im Leid zu vergehen.   So schau…

Spät da draußen

Der Sommerabendhimmel, rot beleuchtet, ein Heuduft in den Matten, jüngst gemäht, die schwere Luft gewitterschwül befeuchtet, verlor ich mich weit draußen noch so spät.   Durchtränkt von tiefer Stille sank ich nieder. Voll Frieden klang er aus, der welke Tag, wie seine unhörbaren Abendlieder, in denen meine Seele schwelgend lag.   Das Schweigen floss hinunter in die Auen, mit Dämmerung…

Die Lüge

Müde, an der Ozeane Rand, wo ich glaubte, dass ich Frieden fände, saß ich und der allerfeinste Sand rann mir durch die Finger meiner Hände. Bis mit einem Male ich empfand, so, als ob ich nah am Abgrund stände.   Und ich sah, wie meine rare Zeit mir entglitt, als würde ich gezogen mit den Strömen der Gezeiten weit auf…

Erste Heimkehr

Vor Jahren, als ich einsam in Gedanken auf einer Düne stand am Ozean und auf das unruhig graue Wasser schaute, geschah, dass ich den Augen kaum noch traute. Ich war mit einem Male magisch angetan von einem Glück, das meine Sinne tranken.   So fern und an der Grenze meines Sehens, wo still das Meer sich mit dem Himmel eint,…

Seelenrand (Akrostichon)

Seidenglanzumsponnen ist mein Fühlen, Eingewoben in den Lauf der Welt. Ebenmäßig mahlen ihre Mühlen, Letztlich bis mein Sein zu Staub zerfällt, Ende und Vergessen mich umspülen. Nicht das Glauben, sonder das Erkennen Reicht bis über meinen Seelenrand. Alle Zweifel werden dort verbrennen, Nur der Rauch aus ihrem Flächenbrand, Der wird einst mir eine Antwort nennen.

Warum

Von einem klammen Winterwind getrieben fliehn Regentropfen durch die Zeit, verzagtes Bangen im Geleit. Ein Zitterfrieren ist zurückgeblieben.   Da war ein dumpfes Klopfen an den Wänden, ein Rufen aus der Finsternis, im tiefsten Nichts verloren, bis es widerhallte wie aus Höllenbränden.   In Tränen prallt das Klagen an die Scheiben und schreibt ins Fenster ein Warum. Doch ist die…

Bald

Ein inneres Zerwühlen, es durchschwebt das Nacktsein im Geäst der alten Birken, die seelenlos und dennoch atmend wirken. Es ist ein Hoffen, das in ihnen lebt.   So seltsam still gefangen hinter Glas erscheint das Warten auf ein Wiederkehren. Wie lang noch lässt der Anfang sich verwehren? Da war ein Knistern, das ich lauschend las,   ein seidenweicher Glanz, den…

Was bin ich

Eines ist zuweilen für mich hart: Zu erkennen, wer und was ich bin. Festgekettet an der Gegenwart, für die Zukunft blind von Anbeginn.   Und mein Schicksal ist im Ungewissen, der Barmherzigkeit ganz untergeben, meinem Wollen gnadenlos entrissen. Bin ich das, ist das mein ganzes Leben?   Einsicht, die in Arroganz erfror, scheint vernebelt. Ich bin nicht allein, nicht die…

Anemone nemorosa

Der Tag sinkt seinem Dämmern zu und in das Rot der letzten Wärme. Im zarten Licht der Abendruh verweht der Tanz der Mückenschwärme.   In stiller Andacht steht der Baum geheimnisvoll gehüllt in Schweigen, als greife er den Weltenraum mit seinen blätterlosen Zweigen.   In jener nebelkühlen Nacht ist aus dem Moderblättergrunde ein Buschwindröschen still erwacht, noch vor dem Reif…

Ein Flüstern

Vom Dorf den Hang hinauf tönt dreistes Lärmen, jedoch es kann den frühen Drang nicht stören; auch nicht das glimmersanfte sich Erwärmen. Die Nähe schweigt, man kann das Werden hören.   Vom Berg herab ergießt sich still ein Frieden. Ein Flüstern, das Erwachen prophezeit, von unsichtbaren Kräften ausgeschieden, die aus den Gründen steigen weit und breit.   Ein Schauer, er…

Finsternis

So hat die Nacht mich denn umfangen mit ihrem nebulösen Schwarz. Ihr Atem streichelt meine Wangen, mein Blut fließt zäh wie Tannenharz.   Ein Flüstern kommt ins Ohr gekrochen, ein Raunen, das die Brust verschnürt. Ist da nicht laut ein Zweig gebrochen? Mir ist, als hätt ich es gespürt.   Ich blicke auf; kein Sternenfunkeln, kein Wolkenschein des Mondenlichts, nur…

Nacht

Wie stilles sich Verlieren in den Winden, die seltsam rastlos und verloren sind, entflieht mir ein Gedanke und beginnt, im Fernen eine Heimat neu zu finden.   Ich hör im kühlen Dunkel leises Flehen. In Knospen kahler Zweige schläft ein Traum, gehüllt in einen rosaroten Flaum, aus dem die Ängste himmelwärts verwehen.   Geheimnisse, die in den Nebeln schleichen, ich…

An die Sonne

Ehrfurcht vor dem Spender allen Lebens, spüre ich im Leuchten, grell und fern, neige demutsvoll das Haupt dem Stern, dankbar für die Fülle seines Gebens.   Nachts in abgewandten Schattenstunden bleibe ich vor Finsternis verschont, denn im Licht des blinden Spiegels Mond hab ich oft am Himmel Trost gefunden.   Ungezählt sind alle die Äonen, seit dein ungezähmtes Feuer brennt,…